Lebenslauf mit oder ohne Foto? Ja, nein, und was wirklich schadet.

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Lebenslauf mit oder ohne Foto? Ja, nein, und was wirklich schadet.

In Österreich und Deutschland ist ein Foto im Lebenslauf keine Pflicht, aber nach wie vor üblich, und viele Unternehmen honorieren es. Wenn Du Deine Chancen so hoch wie möglich halten willst, gib ein professionelles Foto dazu. Verzichtest Du bewusst darauf, etwa weil Du Dich nicht über Dein Aussehen beurteilen lassen willst, ist das legitim, und Deine Bewerbung landet deshalb nicht im Papierkorb. Nur eines schadet Dir wirklich: ein unprofessionelles Foto.

Was bei uns passiert, wenn ein Lebenslauf ohne Foto ankommt

Nichts.

Ich führe bei Q-TALENT die Job-Talks mit den Talenten, die wir durch Direktansprache für eines unserer Mandate interessieren konnten. Job-Talk ist unser etwas coolerer interner Begriff für das erste Gespräch. Ob in Deinem Lebenslauf ein Foto ist oder nicht, ändert dabei für mich gar nichts. Spätestens im Gespräch, das wir in der Regel als Video-Call führen, sehe ich ohnehin, wer da vor mir sitzt.

Was mich in so einem Gespräch wirklich interessiert, ist etwas anderes: warum wir gerade jetzt sprechen, wie Deine Situation aussieht, was Dich an einem Wechsel überhaupt reizt. Nicht nur das Weg-von, sondern das Hin-zu. Was Du in einer neuen Rolle finden willst, wie sie Dich weiterbringt, und was Du umgekehrt zur Aufgabe und zum Erfolg des Unternehmens beitragen kannst. Und ob das am Ende zusammenpasst.

Ein fehlendes Foto ist dabei kein K.-o.-Kriterium, und bei uns fällt es kaum auf. Im besten Fall bestätigt ein Foto einen Eindruck, den der Lebenslauf längst gesetzt hat. Es ersetzt ihn nie.

Einen Haken gibt es aber, und den verschweigen Dir die meisten Ratgeber: Manche Unternehmen arbeiten mit Bewerbungstools, in denen ein Foto schlicht technisch vorgesehen ist. Wir haben einen Kunden, bei dem das so ist. Kommt Dein Lebenslauf ohne Foto, müssen wir Dich später extra danach fragen. Kein Drama, nur ein Schritt mehr im Prozess. Aber es zeigt ganz gut, wo wir gerade stehen: Das Foto ist hierzulande noch nicht Geschichte, auch wenn manche das gerne so erzählen.

Trotzdem eher mit Foto als ohne

Jetzt könnte man sagen: „Wenn es eh egal ist, dann kann ich es ja weglassen.“ Kannst Du. Aber die andere Seite gehört dazu, und die zeige ich Dir auch.

Bei uns ist das Foto im Lebenslauf immer noch gang und gäbe. Viele Personaler und Führungskräfte sind es schlicht gewohnt, ein Gesicht zum Namen zu sehen, und ein sympathisches, professionelles Foto bleibt im Gedächtnis. Das ist keine offizielle Regel, die Dir irgendwer bestätigen wird. Es ist eine Konvention, und Konventionen wirken, ob wir sie gut finden oder nicht.

Aus meiner Erfahrung mit unseren Kundinnen und Kunden sage ich Dir deshalb: Wenn Du Deine Chancen so hoch wie möglich halten willst, gib ein professionelles Foto dazu. Nicht, weil es fair ist. Sondern weil es der Realität am Arbeitsmarkt entspricht, Stand heute.

Das Diskriminierungs-Argument ist real, und ohne Foto zu gehen ist legitim

Und jetzt kommt das große Aber, denn diese Realität hat eine unschöne Seite.

Wo ein Foto ist, wird beurteilt. Nicht nur die Frisur, sondern auch Alter, Herkunft, Geschlecht. Oft passiert das nicht einmal böswillig, sondern unbewusst, und genau das macht es so schwer greifbar. Die österreichische Ökonomin Doris Weichselbaumer hat dazu ein aufschlussreiches Experiment1 auf dem deutschen Arbeitsmarkt gemacht: identische Bewerbungen, nur Name und Foto unterschiedlich.

Bewerberin Positive Rückmeldung
Sandra Bauer (deutscher Name) 18,8 %
Meryem Öztürk, ohne Kopftuch 13,5 %
Meryem Öztürk, mit Kopftuch 4,2 %

Gleicher Lebenslauf, wohlgemerkt. Das Foto entscheidet mit, bevor irgendjemand Deine Qualifikation gelesen hat. In einer sauberen Vorauswahl darf ein Foto nie das erste Sieb sein.

In den USA und in Großbritannien hat man daraus längst Konsequenzen gezogen: Dort ist ein Foto im Lebenslauf unüblich, genauso wie das Geburtsdatum, und manche Unternehmen sortieren Bewerbungen mit Foto sogar bewusst aus, um gar nicht erst in den Verdacht zu kommen. Dieser Ansatz schwappt langsam auch zu uns rüber, vor allem bei internationalen Konzernen mit globalen HR-Richtlinien.

Was heißt das jetzt für Dich? Wenn Du sagst: Ich möchte über meine Erfahrung und meine Fähigkeiten beurteilt werden und nicht über mein Aussehen oder mein Alter, dann lass das Foto weg. Das ist eine nachvollziehbare, gut begründete Entscheidung, und ein Unternehmen, das Dich deshalb aussortiert, sagt damit mehr über sich als über Dich. Ich will Dir hier keine der beiden Optionen ausreden. Ich will, dass Du beide Seiten kennst und selbst entscheidest.

Die einzige echte Regel: kein unprofessionelles Foto

Bei der Frage mit oder ohne bin ich ziemlich entspannt. Bei dieser Sache bin ich es aber nicht:

Ein unprofessionelles Foto ist ein echtes No-Go.

Das verpixelte Selfie, der Schnappschuss von der Hochzeit mit weggeschnittener Begleitung, das Urlaubsfoto mit Sonnenbrille im Haar. Solche Bewerbungsfotos sehen wir tatsächlich immer wieder, und sie machen oft mehr kaputt als gar kein Foto. Ein unprofessionelles Foto sagt nämlich nicht „ich bin halt kein Model“, es sagt „ich habe mir keine Gedanken gemacht“. Und das färbt auf alles ab, was im Lebenslauf danach kommt.

Die gute Nachricht: Professionell heißt nicht teuer. Du brauchst kein Studio-Shooting für 200 Euro. Ein gutes selbstgemachtes Foto reicht völlig, wenn ein paar Dinge stimmen: neutraler Hintergrund, gutes Licht, Business-taugliche Kleidung, freundlicher Blick in die Kamera. Wenn Du gerade kein brauchbares Foto hast, gilt: lieber jetzt ohne Foto bewerben und später ein professionelles nachreichen, als ein schlechtes mitschicken.

Entscheide Dich bewusst

Bewusst entscheiden heißt, den eigenen Fall kennen. Vier Situationen, vier klare Empfehlungen:

Deine Situation Meine Empfehlung
Du bewirbst Dich hierzulande und willst Deine Chancen maximieren Professionelles Foto dazugeben
Du bewirbst Dich bei einem internationalen Konzern oder auf englischsprachige Ausschreibungen Eher ohne Foto, dort ist das Standard
Du möchtest nicht über Dein Aussehen oder Alter beurteilt werden Lass es weg, das ist legitim, und steh dazu
Du hast gerade kein professionelles Foto Ohne Foto bewerben, später nachreichen

Wie Du Dich auch entscheidest, das Foto bleibt ein Detail. Was zählt, ist der Inhalt Deines Lebenslaufs, und dass Du im Gespräch zeigst, wer Du bist. Da schaut Dir dann sowieso jemand in die Augen, ganz ohne Foto.

Beiträge wie diesen veröffentlichen wir regelmäßig.

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Johanna Leichtfried
Autorin
Johanna Leichtfried
Talent Management · Q-TALENT

Ich begleite Talente durch den gesamten Bewerbungsprozess. Hier sammle ich praktische Ressourcen und persönliche Einblicke für alle, die sich beruflich neu orientieren.

Quellen
  1. Doris Weichselbaumer: Experiment zur Diskriminierung bei Bewerbungen mit Foto (Callback-Raten 18,8 / 13,5 / 4,2 %). IZA Discussion Paper Nr. 10217, 2016. iza.org ↩︎