Headhunter-Briefing: Warum eine Stunde über den Besetzungserfolg entscheidet.

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Headhunter-Briefing: Warum eine Stunde über den Besetzungserfolg entscheidet.

Ihr habt Euch entschieden, die Stelle einem Headhunter zu geben. Es ist das erste gemeinsame Briefing, entsprechend genau schaut ihr hin. Du und Dein Hiring-Manager sitzen am Tisch, eine Stunde ist reserviert.

Diese Stunde ist das Fundament für die Suche und die erfolgreiche Besetzung der Vakanz.

Das ist sie aber nur, wenn das Besprochene weit über die Stellenbeschreibung hinausgeht. Bleibt es nur beim Abhaken dessen, was schon auf dem Papier steht, ist die Zeit vergeudet.

Ein Briefing, das trägt, klärt: warum die Stelle wirklich offen ist und woran frühere Besetzungsversuche gescheitert sind, welche Lücke die neue Besetzung wirklich schließen soll, wo die echte Grenze zwischen Must-Have und Nice-to-have verläuft, wie die Realität in Team und Unternehmen aussieht, und welchen Spielraum die Position hat.

Wo die Stellenbeschreibung aufhört, beginnt das Briefing

Denn entscheidend ist genau das, was meistens noch nicht verschriftlicht ist. Der Headhunter hat seine Hausaufgaben hoffentlich gemacht und hat die grundlegenden Informationen über Euer Unternehmen: Eure Werte und Kultur, die Rahmenbedingungen und Benefits, was Euch zu einem spannenden Arbeitgeber macht und wie Ihr den Bewerbungsprozess in der Regel gestaltet, bereits mit Euch abgestimmt. Anhand dieser Informationen und der Stellenbeschreibung hat er sich die essenziellen Fragen für das Briefing überlegt. Was bis zu diesem Zeitpunkt schon passiert sein sollte, habe ich in „Das Problem mit Headhuntern“ beschrieben.

Jetzt, im eigentlichen Headhunter-Briefing, geht es darum, welcher Bedarf wirklich hinter dem Soll-Profil steht.

Welcher Gap soll geschlossen werden?

Denn wenn es am Ende des Prozesses nicht passt, liegt das in der Regel nicht an den Skills, sondern an der Passung der Person zum Setting. Der Headhunter, der seinen Job richtig gut macht, stellt bei weitem nicht alle Talente vor, bei denen die Keywords mit dem Anforderungsprofil matchen. Er qualifiziert entlang von Persönlichkeit, Werten und Erwartungen.

Briefingfragen zielen auf die Realität der Rolle

Es gibt feste Themen, Fragen, die in so gut wie jedem Briefing gestellt werden. Wir wissen beispielsweise, dass Talente meistens nach der Teamgröße, den vorhandenen Rollen und der Betriebszugehörigkeit im Team fragen. Das sind Dinge, die nie in der Stellenanzeige stehen, und genau die erfragen wir.

Die folgenden Themenblöcke adressiere ich in jedem Briefing. Nicht als Checkliste, die von oben nach unten abgehakt wird, sondern als Landkarte: Das Gespräch nimmt seinen eigenen Weg, aber am Ende ist jedes Feld betreten.

  • Anlass. Warum ist die Stelle offen? Ist sie neu geschaffen oder eine Nachbesetzung? Falls Nachbesetzung: Warum ist der/die Vorgänger:in nicht mehr da? (sehr aufschlussreich)
  • Bitte einen Brief ans Christkind. Wer wäre die perfekte Besetzung? Skill-Set, Erfahrung, Branchenkenntnis, Persönlichkeit, Arbeits- und Führungsstil, Motivation für den Wechsel (weg von, hin zu Euch)?
Das Ziel des Headhunters ist immer, so nah am Idealbild zu liefern wie möglich, auch aus Eigeninteresse: Je näher die Passung, desto eher der Abschluss.
  • Mindestanforderungen. Wo verläuft die reale Grenze zwischen Must-Have und Nice-to-have? Warum?
Bei allem Einsatz ist die perfekte Passung zum Wunsch nicht immer zu erreichen, deshalb ist hier Klarheit besonders wichtig.
  • Das Team. Wie ist es aufgestellt, welchen Konventionen wird gefolgt, wie tickt es, wo gibt es Spannungen, und wie hat der/die Vorgänger:in reingepasst oder eben nicht? Und wer fehlt?
  • Führung und Erwartung. Wer führt, in welchem Stil, und welche Interaktion wünscht sich die Führungskraft? Woran wird Erfolg gemessen? Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es?
  • Onboarding und Perspektive. Wie sieht der Einstieg aus? Sehr strukturiert oder iterativ? Welche Herausforderungen werden mittelfristig kommen, und welche großen Milestones liegen vor Euch?
  • Scheitern. Oft gab es schon Besetzungsversuche, und dann ist besonders wissenswert, warum die nicht geklappt haben. Keine Bewerbungen oder nur unpassende? Wenn unpassend: Was hat gefehlt? Hard Skills, kulturelle Passung oder andere Gründe?
BRIEFING ANLASS WUNSCH MUSS TEAM FÜHRUNG ONBOARDING SCHEITERN

So weit die Landkarte. Die weiterführenden Fragen verschieben sich mit jeder Rolle. Eine technische Führungsrolle erzeugt Fragen, die bei einer Finanz- oder Marketingrolle gar nicht auftauchen: Wie tief muss die Person fachlich sein, soll sie noch selbst entwickeln oder führen und gestalten? Wie strikt ist der Fokus auf eine bestimmte Technologie, oder reicht der Transfer aus einem anderen Umfeld? Welche Tools sind kritisch, welche nice-to-have, welche lernbar? Steht die Rolle für Aufbau oder für Skalierung, und wie viel strategischen Spielraum hat sie?

Ein Beispiel aus einem aktuellen Mandat, einem Teamlead für ein Data-Operations-Team: Ob wir jemanden ansprachen, hing weniger an der Stellenbeschreibung als an zwei Fragen aus dem Briefing. Muss die Person noch selbst BigQuery-Abfragen optimieren, oder reicht das konzeptionelle Verständnis der Google-Cloud-Plattform, weil sie primär führt, und ist der GCP-Fokus so strikt, dass ein Umstieg aus dem AWS- oder Azure-Umfeld ausscheidet? Erst diese Antworten legten fest, wer überhaupt auf die Longlist kam.

Mein Einstieg ist immer gleich: Ich gebe Raum, indem ich den Hiring-Manager bitte, einfach mal frei zu erzählen, warum wir heute zusammenkommen, wen er sich für das Team wünscht und welche Aspekte ihm besonders wichtig sind. Zugleich kündige ich an, dass ich alles, was mir nach der initialen Schilderung noch fehlt, danach erfrage.

Dank KI-Transkription kann das heute problemlos so offen laufen. Früher war es wichtig, Punkt für Punkt zu erfragen und zu notieren, oft ein Stakkato aus Frage und Antwort. Heute kann ich mich auf das Gespräch konzentrieren, ohne mitschreiben zu müssen.

Ein solches Gespräch schafft echtes Verständnis, und das ist die Grundlage für die bestmögliche Vorqualifizierung.

Ob das Briefing getragen hat, zeigt sich im Gespräch mit dem Talent

Du hast wahrgenommen, dass der Headhunter echtes Interesse hat und es gab Fragen, die Dich überrascht haben?
Das ist schon mal ein gutes Zeichen.

Kurz nach dem Briefing bekommst Du die schriftliche Zusammenfassung, mit der Bitte, zu ergänzen oder zu korrigieren. Wer Dich einlädt, zu widersprechen, hat verstanden, dass es eine gemeinsame Basis braucht, auf die sich beide beziehen.
So muss das.

Das schriftliche Talentprofil (Candidate Summary), das ihr mit den übermittelten CVs bekommt, adressiert genau die menschliche Ebene und die Linie zwischen Muss und Wunsch, die ihr im Briefing besprochen habt. Nicht schlecht.

Der Kreis schließt sich erst im Bewerbungsgespräch. Verkörpert die Person das, was ihr für die Stelle braucht? Ja? Alles richtig gemacht!

Nein, aber fast?

Natürlich ist knapp daneben auch vorbei, aber wenn die Richtung gestimmt hat, kann das gut werden. Wichtig ist es jetzt aufschlussreiches Feedback zu geben, dann weiß der Headhunter beim nächsten Talent noch besser, worauf er achten muss.

Eure Zeit ist in das Briefing und die Feedbacks gut investiert, wenn Ihr die richtigen Talente vorgestellt bekommt.

Der Wert liegt in dem Match, das nicht einfach so passiert wäre

DAS ERGEBNIS BRIEFING LONGLIST QUALIFIZIERUNG MARKTFEEDBACK

Das Dilemma des Headhunters: Das Ergebnis sieht am Ende oft einfach und naheliegend aus. Der Kandidat ist genau die Ergänzung, die ihr für das Team gesucht habt, die Kandidatin ist die, die Euer Wachstum trägt und ihr musstet dafür nur eine Handvoll Gespräche führen. Was an Arbeit hinter dem vermeintlich naheliegenden Ergebnis steckt, habe ich in „Die Arbeit des Headhunters: Du siehst nur die Gewinner-Profile“ beschrieben.

Die Frage nach den Kosten habe ich hier behandelt: „Headhunter Kosten: Was kostet einer, der wirklich liefert?“

Das Briefing – diese eine Stunde ist für mich nicht verhandelbar. Bekomme ich sie nicht, weil jemand meint, die Stellenbeschreibung reiche schon aus, nehme ich das Mandat nicht an. Nicht aus Prinzip, sondern weil ohne sie das Fundament fehlt, auf dem meine Arbeit aufbaut und die Besetzung steht.

Wenn Du vor einer Vakanz stehst, die diese Tiefe verdient, findest Du in meinem Kalender einen Termin für ein erstes Gespräch.

Es klärt, wo Eure Recruitingbemühungen stehen, was realistisch ist, und ob wir zueinander passen. Mehr verspreche ich vorab nicht,
und das ist der Punkt.

Mandat besprechen
Sonja Gamsjäger
Autorin
Sonja Gamsjäger
Gründerin Q-TALENT · Headhunterin für Industrie und Technologie

Ich schreibe hier für HR-Verantwortliche, die schwer besetzbare Rollen auf dem Tisch haben.
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